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Aurora borealis, himmlisches Licht

 

Schon lange war es erklärtes Ziel, einmal das Nordlicht zu sehen. Endlich, Anfang März 2010, machte ich mich nach den entsprechenden Vorbereitungen auf den Weg. Die Vorbereitungen bestanden vor allem darin, sich mit der Kleidung auf die besonderen Bedingungen bei der nächtlichen Polarlichtbeobachtung einzustellen.

Die besten Voraussetzungen zur Beobachtung des Nordlichts bestehen im Bereich des Polarkreises. Dort sind naturgemäß die Temperaturen zwischen November und März winterlich, streng winterlich. Unter -15 °C bei starkem Wind sind nicht außergewöhnlich. Und das ist sehr hart, wenn man mehrere Stunden draußen verharren muß. Das Nordlicht ist nämlich nicht jede Nacht und wenn sichtbar, dann unter Umständen nur für Minuten zu erleben. Unsere mitteleuropäische Kleidung ist dafür nicht so ganz geeignet.

Nachdem alle Vorbereitungen getroffen waren, ging es los. Leider verhieß der Wetterbericht nicht gerade ideale Bedingungen für die Himmelsbeobachtung; fast jeden Tag bedeckt, Schneefall. Was soll´s, alles ist gebucht und vielleicht .... in 4 ½ Tagen kann sich das Wetter durchaus noch angenehm gestalten.

Die Anreise per Flugzeug nach Tromsö via Oslo dauert von Berlin aus gut 8 Stunden, Ankunft gegen 19 Uhr. Der erste Blick galt dem Himmel. Wie vorhergesagt, dichte Bewölkung, kein Sternlein. Also tapfer zum Hotel, das Gerödel ausgepackt und erst einmal gestärkt. Gegen 22 Uhr erste Lücken in den Wolken, um 23 Uhr reißt es weiter auf. Fotoausrüstung geschnappt und rein ins Auto, raus aus der Stadt. Nun ist Tromsö nicht gerade klein, es hat tatsächlich laut Wikipedia eine Fläche von 2.558 km² (davon 1.434 km² auf dem Festland und 1.124 km² auf mehreren Inseln vor der Küste) die Stadt mit der zweitgrößten Fläche in Europa, in etwa also so groß wie das Saarland. Und es liegt zu dieser Jahreszeit für unsere Verhältnisse viel Schnee. Also einer Straße folgen, die scheinbar aus der Stadt herausführt. Tatsächlich, es werden immer weniger Häuser, jetzt kommen keine mehr und jetzt - ist die Straße zu Ende. Nicht die Straße, aber ab hier wurde kein Schnee mehr beräumt.

Aussteigen um zu prüfen, ob man hier fotografieren kann. Die allgemeine "Lichtverunreinigung" durch die Lichter der Stadt kann nämlich nächtliche Himmelsfotos unmöglich machen bzw. verderben. Aber es blieb gar keine Zeit für Überlegungen: als ich zum Himmel schaute, begann es grün zu leuchten - Aurora borealis! In Eile die Fotoausrüstung aufgebaut und erste Fotos gemacht. Die Kälte und Wind, es waren so ca. -10 °C, merkte ich in den ersten Minuten nicht, aber dann doch. Nach etwa 15 Minuten war das Schauspiel vorbei, außerdem zogen wieder Wolken auf.

Was für ein Glück, gerade erst im Norden angekommen und schon am ersten Abend Nordlicht fotografiert. Eigentlich war ein wesentliches Ziel der Reise schon erreicht.

Zurück im Hotel war die erste Arbeit die Fotos zu sichten und danach zu sichern. Zwei Fotos von insgesamt 6 sahen gar nicht schlecht aus. Sicherung auf externer Festplatte und - nach Fehlermeldung vom Laptop wurde weder die Speicherkarte noch die Festplatte erkannt. Ein Drama, innerhalb einer knappen Stunde vom größten Glück in das tiefste Tal des Elends.

Sämtliche Rettungsversuche in dieser Nacht schlugen fehl, die Dateien waren weg.

An den nächsten Tagen herrschte gewisse Katerstimmung, zumal es keine Wolkenlücken in den Nächten mehr gab, die die Sichtung geschweige das Fotografieren des Nordlichts ermöglicht hätten.

Ein Biologe findet aber immer eine positive Beschäftigung. So gelang es mir an den nächsten Tagen einige interessante Tiere zu sichten und zu fotografieren sowie die herrliche Landschaft Nordnorwegens zu erkunden.

 

Kormorane

 

Kormorane sind bei uns nicht mehr selten, aber Mittelsäger und Seehund sowie Eiderente kommen schon nicht mehr so häufig an unseren Küsten vor,

 

MittelsägerSeehund

 

und Rentiere findet man bei uns hingegen gar nicht.

 

Eiderenten

Rentier

 

Insofern waren die Exkursionen erfolgreich und haben mich etwas über den Verlust der Nordlichtfotos hinweggetröstet.

Das Wetter zog an den 5 Tagen vor Ort alle Register. Schneefall, nahezu arktische Temperaturen von -10 °C mit entsprechendem Wind (Windchill bestimmt unter -15),

 

Kälte

 

Dauerregen bei +4 °C, herrlicher Sonnenschein bei Temperaturen knapp unter Null und

 

Stockfisch

 

zum Abschied noch einen Schneesturm vom Feinsten, so daß Flüge gestrichen wurden oder extreme Verspätungen hatten.  Hier kann man den an den Fenstern des Flughafens klebenden Schnee sehen.

 

Flughafen

 

Das gute Ende kommt zum Schluß.

Mit meiner gelöschten Speicherkarte wieder zurück habe ich natürlich versucht mit ordentlichen Mitteln zu retten was zu retten ist. Und - mit ziemlichem Erfolg. Zwar hat die Qualität etwas gelitten, die Bilder rauschen etwas stärker, aber sie sind doch einigermaßen ansehnlich, so daß ich hier auch noch das Nordlicht zeigen kann.

 

Norlicht

 

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